Die Arbeitsgruppe ‚Gesundheit und Arbeit‘ hat sich das Ziel gesetzt, einen Fachbereich in der Deutschen Gesellschaft für Public Health zu etablieren. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen und gemeinsam mit uns Aufgaben und Ziele dieser Arbeitsgruppe zu entwickeln. Wir freuen uns über Ihre Ideen und Anregungen.

Kontakt: gesundheitarbeit@dg-public-health.de

Ansprechpartnerinnen: Prof.in  Eva-Maria Bitzer, Prof. in Gudrun Faller, Dr. Birgit Susanne Lehner

 

Aktuelles

DGPH Fachforum "Digitalisierung und Betriebliches Gesundheitsmanagement" am 14.03.2019 auf dem Kongress Armut und Gesundheit in Berlin

 

Birgit Susanne Lehner, Gudrun Faller, Eva-Maria Bitzer

Die gesundheitsfördernde Gestaltung von Arbeit im Kontext zunehmender Digitalisierungsprozesse ist  ein zentrales Handlungsfeld von Public Health. Welche  Anforderungen damit für das BGM verbunden sind und welche Ansätze sich als sinnvoll erweisen, ist Thema dieses Fachforums.

Das BGM verlangt die Schaffung nachhaltiger gesundheitsförderlicher Strukturen in Betrieben durch ein integriertes, zielgerichtetes Handeln. Das Präventionsgesetz unterstützt diesen Ansatz, indem es neben der betrieblichen Gesundheitsförderung und der Prävention arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren auch eine bessere Vernetzung von Sozialversicherungsträgern, betrieblichen und außerbetrieblichen Akteuren sowie eine stärkere Unterstützung für KMU vorsieht.

In dem Fachforum greifen wir verschiedene Perspektiven des Themas Digitalisierung und BGM auf, die wir mit den Referent*innen und dem Plenum diskutieren werden. Wir betrachten Anknüpfungspunkte für das BGM in einer digitalisierten Arbeitswelt und diskutieren Gestaltungsansätze von Flexibilisierung und Digitalisierung in Betrieben.

 

Beiträge:

Soziale Folgen von Flexibilisierung und Digitalisierung bei der Arbeit – gesundheitswissenschaftliche Erkenntnisse und rechtliche Anforderungen

Gudrun Faller & Ralf Pieper

Digitalisierung und Flexibilisierung gelten als die neuen Treiber wirtschaftlichen Wachstums und sozialen Fortschritts. Neben den Potenzialen für Sicherheit und Gesundheit implizieren die neuen Möglichkeiten eine Reihe sozialer und gesellschaftlicher Herausforderungen. Das Inputreferat stellt ausgewählte empirische Erkenntnisse zu aktuellen Entwicklungen dar und reflektiert zeitgemäße arbeitsschutzrechtliche Möglichkeiten zu deren Bewältigung.

Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung im BGM

Birgit Susanne Lehner

Aktuell nutzen mehr als 80% der Beschäftigten in ihrer beruflichen Tätigkeit digitale Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Digitalisierung in der Arbeitswelt vermag Arbeitsprozesse zu beschleunigen, Arbeits- und Produktionsprozesse zu steuern, zu überwachen und zu kontrollieren. Einerseits unterstützen IKT dadurch effiziente Arbeitsabläufe, andererseits können Trackingsysteme Tätigkeiten detailliert erfassen und auch zur Leistungskontrolle eingesetzt werden. Für das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) bietet die Digitalisierung Anknüpfungspunkte in den Bereichen Organisieren, Messen, Erheben, Analysieren, Informieren und Beraten. Potenziale digitaler Angebote sind z.B. ein simultaner Einsatzes bei mehreren Standorten und die Möglichkeiten der Vernetzung, auch Nutzerpotenziale für spezifische Bedarfe von z.B. Beschäftigten im Schicht- und Außendienst. Die Herausforderungen für den Einsatz digitaler Optionen im BGM liegen neben Akzeptanz und Nutzerkompetenz v.a. in Datensicherheit, Wirksamkeit und Nachhaltigkeit. Auch und gerade durch die Erweiterung der Gestaltungsmöglichkeiten durch digitale Anwendungen gilt, qualitätsgesicherte Maßnahmen im BGM bedarfsgerecht und zielgruppenorientiert anzubieten.

Stand des BGM in KMU auf der Basis von Erfahrungen aus Praxisprojekten

Ellena Huse & Birgit Susanne Lehner

Die Umsetzung eines strukturierten BGM in den KMU scheitert oft an der fehlenden Expertise. Spezielle Weiterbildungsangebote zielen darauf ab, Beschäftigte zu qualifizieren. Diesen Ansatz verfolgt auch das Kontaktstudium „Gesundheit im Betrieb managen“ der Akademie für Wissenschaftliche Weiterbildung in Freiburg, welches die theoretischen Grundlagen des BGM durch praktische Erfahrungen im Rahmen begleiteter Praxisprojekte ergänzt. Erste Erfahrungen aus den Praxisprojekten in kleinen und mittleren Unternehmen zeigen, dass im Fokus eher die Analyse von Belastungsfaktoren und verhaltenspräventive Maßnahmen z.B. im Bereich Bewegung stehen. So wurde in einem Praxisprojekt in einem holzwirtschaftlichen Familienbetrieb eine Gefährdungsanalyse psychischer Belastungen durchgeführt; im Rahmen eines weiteren Projekts wurden umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen für eine Bildungseinrichtung konzipiert. Die besonderen Probleme im Zusammenhang mit der Digitalisierung wurden hier (noch) nicht adressiert.

Digitalisierung im Betrieblichen Personal-, Gesundheits- und Eingliederungsmanagement in einem digitalen Betrieb – ein Praxisbericht

Deborah Uhlenbruck

Mit dem Aufkommen der digitalen Fotografie hat das Unternehmen CEWE eine neue Marktstrategie entwickelt. Hightechmaschinen, IT-gesteuerter Workflow, Apps, eine große Produktvielfalt und 360°-Marketing‘ gehören zu Produktion, Produkten bzw. Dienstleitungen und zum Berufsalltag von CEWE als das marktführende Unternehmen Europas im Fotofinishing. Die Digitalisierungsprozesse stellen sowohl veränderte Anforderungen an die Beschäftigten als auch an betriebliches Personal-, Gesundheits- und Eingliederungsmanagement. Das Human Resource Management sieht sich dabei vor neuen Herausforderungen und Chancen, insbesondere in den Bereichen Recruiting, Qualifizierung und Gesunderhaltung der Mitarbeitenden und muss sich im Zuge der Digitalisierung selbst neu erfinden.